Der Schädel, Cranium

Das Knochengerüst des Kopfes ist der Schädel, Cranium.

Der Schädel bildet nicht nur ein knöchernes Gehäuse für das Gehirn und die Sinnesorgane, sondern auch für die Anfänge des Speise- und des Luftweges (Mund- und Nasenhöhle).

Deswegen pflegt man an ihm zwei Hauptteile zu unterscheiden: den Hirnschädel, Neurocranium, und den Eingeweide- oder Gesichtsschädel, Splanchnocranium (griech. splanchnoi = Eingeweide) (Abb. 132).

Medianschnitt des Schädels.

Der Schädel setzt sich mosaikartig aus 29 Knochen zusammen, deren Verteilung auf Neuro- und Splanchnocranium aus der Übersichtstabelle  zu ersehen ist.

Übersicht über die Schädelknochen

Der menschliche Schädel ist durch seine Kugelform ausgezeichnet, die vor allem den Hirnschädel betrifft. Zur Annäherung an die Kugelform trägt auch bei, daß der Hirnschädel über dem Gesichtsschädel liegt, während er beim langgestreckten tierischen Schädel hinter dem Gesichtsschädel liegt.

Die Kugelform des menschlichen Schädels ist besonders günstig für die Ausbalancierung des Kopfes auf der Halswirbelsäule, auf der er ja im labilen Gleichgewicht ruht.

Will man das Gehirn aus dem Schädel herausnehmen, so pflegt man die Schädelhöhle, Cavum cranii, durch einen horizontalen Kreisschnitt zu eröffnen. Man zerlegt so den Schädel in eine hochgewölbte Schale, das Schädeldach, Calvaria, und die Schädelbasis, Basis cranii (Abb. 132).

Das Schädeldach ist eine Schale, die aus platten, tafelförmigen Knochen zusammengesetzt ist. Betrachtet man die Schnittfläche durch diese Knochenplatten, so sieht man, daß sie aus einer äußeren dickeren Kompaktatafel, der Lamina externa, und einer inneren und dünneren Tafel, der Lamina interna oder vitrea, besteht.

Schnitt durch das Schädeldach (halbschematisch); rot = größere Venen.

Zwischen diesen beiden Kompaktatafeln liegt eine verschieden dicke spongiöse Substanz, die bei den Schädeldachknochen als Diploë bezeichnet wird. Sie enthält das Knochenmark sowie zahlreiche Gefäße, von denen die besonders dünnwandigen Venen, Vv. diploicae, in besonderen Knochenkanälen, Canales diploid, die man auch am mazerierten Schädel deutlich sehen kann, verlaufen.

Die äußere Oberfläche des Schädeldaches wird von einer verhältnismäßig dicken Periostschicht, dem Pericranium, bedeckt.

An der inneren Oberfläche wird das Periost durch die Dura mater des Gehirns (Bd. III) vertreten, die sich den Knochen dicht anlegt.

Von der Entwicklung des Schädels und der Schädelknochen soll hier nur mitgeteilt werden, daß ein Teil als Ersatzknochen, ein anderer Teil als Bindegewebsknochen entsteht. Einige Schädelknochen sind sogar gemischten Ursprungs, d. h. zum Teil knorpelig, zum Teil bindegewebig vorgebildet.

Allgemein kann man sagen, daß die Knochen des Schädeldaches und des Gesichtsschëbdeh Bindegewebsknochen sind, während die großen SchädeRasisknochen: Occipitale (mit Ausnahme der Squama), Temporale (mit Ausnahme der Squama) und Sphenoidale zum größten Teil Ersatzknochen sind.

Das Hinterhauptsbein, Os occipitale (Abb. 147, 162, 163, 164, 165) Das Os occipitale bildet die knöcherne Grundlage für den Hinterkopf, Occiput, und eine Schale für das Kleinhirn sowie die Hinterhauptspole der beiden Großhirnhemisphären. Seine innere Fläche wird vor allem durch das Gehirn modelliert, die Außenfläche (Abb. 147) durch den Ansatz der Nackenmuskulatur. Der beim Erwachsenen einheitliche Knochen setzt sich, wie die Verhältnisse beim Neugeborenen noch deutlich zeigen, aus vier Bausteinen zusammen, die sich um das Foramen occipitale so herumgruppieren, daß ein unpaares Stück, Pars basilaris, davor liegt, zwei seitlich davon liegen, Partes laterales, und das 4. Stück, die Squama, hinter dieser Öffnung liegt.

Os occipitale, von unten

Äußere Schädelbasis I mit rot gekennzeichneten Knochen Grenzen

Äußere Schädelbasis II. Bezeichnet sind die Öffnungen

Innere Schädelbasis I mit rot eingezeichneten Knochengrenzen

Innere Schädelbasis II Bezeichnet sind die Öffnungen

Auch beim Os occipitale des Erwachsenen unterscheidet man noch diese vier Abschnitte.

Das Os occipitale entsteht zum größten Teil als Ersatzknochen, nur der obere Teil der Schuppe oder Squama ist Bindegewebsknochen.

I. Pars basilaris.

a)    Innenfläche (Abb. 164, 165).

Clivus: die schräg zum Foramen occipitale abfallende Fläche, die sich nach vorn auf das Keilbein fortsetzt.

b)    Außenfläche (Abb. 147).

Tuberculum pharyngeum: kleiner Höcker für die Anheftung der hinteren Rachenwand.

II. Partes laterales.

a) Außenfläche (Abb. 147).

Condyli occipitales: die Gelenkhöcker für die beiden oberen Kopf gelenke.

b) Innenfläche (Abb. 164, 165).

Incisura jugularis: ein Ausschnitt am vorderen Rande, der zusammen mit einem entsprechenden Ausschnitt des Schläfenbeins das Foramen jugulare bildet.

Canalis [nervi] hypoglossi (Abb. 147, 165): der Austrittskanal für den 12. Gehirnnerven. Seine innere Öffnung liegt an der seitlichen Umrandung des Foramen occipitale magnum, die äußere vor dem Condylus occipitalis. Der Kanal ist nicht selten doppelläufig.

Sulcus sinus sigmoidei: eine tiefe Rinne für den größten Venenblutleiter (Sinus sigmoideus) der harten Hirnhaut.

Canalis condylaris (Abb. 147, 163): seine innere Öffnung liegt im Sulcus sinus sigmoidei, seine äußere hinter dem Condylus occipitalis in der Fossa condylaris. Durch ihn läuft eine Vene, die die Kopfhautvenen mit den inneren Schädelvenen verbindet (Vena emissaria condyloided). Sehr wechselnd ausgebildet.

III Squama occipitalis.

a) Innenfläche (Abb. 164, 165).

Protuberantia occipitalis interna: Vorsprung und Kreuzungsstelle folgender Furchen: Sulcus sinus sagittalis superioris und sinus transversi.

Fossae occipitales cerebrales: zwei obere Gruben für die Hinterhauptslappen des Großhirns.

Fossae occipitales cerebellares: zwei untere Gruben für die Hemisphären des Kleinhirns.

b) Außenfläche (Abb. 147).

Protuberantia occipitalis externa: sehr wechselnd ausgebildeter, am Hinterkopf tastbarer Höcker.

Crista occipitalis externa: zieht von der Protuberantia zum Foramen occipitale magnum herab.
Linea nuchae superior: seitlich von der Protuberantia verlaufende Knochenleiste.
Linea nuchae suprema: oberhalb der vorigen, sehr wechselnd.
Linea nuchae inferior: Rauhigkeit unterhalb der Linea nuchae superior.
Planum occipitale: glattes Feld oberhalb der Linea nuchae superior.
Planum nuchae: Knochenfläche unterhalb der Linea nuchae superior für den Ansatz von Nackenmuskeln.

Das Keilbein, Os sphenoidale (Abb. 148, 149, 150, 151, 162, 163, 164, 165) Das Keilbein liegt vor dem Os occipitale, in der Mitte der Schädelbasis.  Mit einem Keil (griech. sphen = Keil) hat es keinerlei Ähnlichkeit, wohl aber mit einem Insekt, etwa einer Wespe (griech. sphex = Wespe) oder — um einen ganz modernen Vergleich zu wählen — mit einem Flugzeug. Man unterscheidet an ihm einen Körper, Corpus, zwei horizontale Flügelpaare, Alae majores und minores, und ein senkrechtes Flügelpaar, die Flügelfortsätze, Processus pterygoidei, die bei dem Vergleich dieses Knochens mit einem Flugzeug dem Fahrgestell entsprechen würden.

    Os sphenoidale, von oben und hinten gesehen

Os sphenoidale, von vorn gesehen

Occipitale und Sphenoidale sind beim Jugendlichen durch Knorpel (Synchondrosis sphenooccipitalis) verbunden, der später durch Knochen ersetzt wird, so daß beim Erwachsenen diese beiden Knochen fest miteinander verbunden sind und zusammen auch als Basisknochen des Schädels, Os basilare, bezeichnet werden.

I. Corpus (Abb. 148, 149, 164, 165).

Sella turcica, Türkensattel: obere Fläche des Keilbeinkörpers (vgl. auch Abb. 167).

Sagittalschnitt durch die rechte Augenhöhle
Fossa hypophyseos: Grube in der Mitte des Türkensattels für den Hirnanhang (Hypophysis cerebri).
Tuberculum sellae: vordere Begrenzung der Hypophysengrube.
Dorsum sellae: schräg aufsteigende Knochenplatte als hintere Begrenzung der Hypophysengrube mit zwei Fortsätzen Processus clinoidei posteriores.
Sulcus caroticus: Furche an der Seitenfläche des Keilbeinkörpers, in der die A. carotis interna liegt.
Lingula sphenoidalis: schmale Knochenleiste als seitliche Begrenzung des Sulcus caroticus.

II. Alae minores (Abb. 148,149, 164).

Processus clinoidei anteriores: kurze, nach medial und hinten gerichtete Fortsätze.
Canalis opticus: führt den Sehnerven von der Schädelhöhle in die Augenhöhle.

III. Alae majores (Abb. 148, 149, 150, 151).

Foramen [Canalis] rotundum:    rundlicher Kanal, der aus der mittleren Schädelgrube in die Flügelgaumengrube, Fossa pterygopalatina, führt (Abb. 167) und den 2. Ast (N. maxillaris, Bd. III) des 5. Gehirnnerven (N. trigeminus) enthält.

Foramen ovale: ovale Öffnung an der Schädelbasis für den Durchtritt des 3. Astes (N. mandibularis, Bd. III) vom 5. Gehirnnerven (N. trigeminus).

Foramen spinosum: kleine Öffnung hinter dem Foramen ovale für den Eintritt der A. meningea media in den Schädel.

Crista infratemporalis: schwache Leiste an der temporalen Fläche der Ala major.

Spina ossis sphenoidalis: dornartiger Vorsprung an der hinteren Ecke des großen Flügels (an der äußeren Schädelbasis).

IV. Processus pterygoideus (Abb. 148, 149, 150, 151, 166, 167).

Fossa temporalis und Fossa interatemporalis
Lamina medialis: mediale Platte des Flügelfortsatzes.
Lamina lateralis: laterale Platte des Flügelfortsatzes.
Fossa pterygoidea: Grube zwischen den beiden Platten des Flügelfortsatzes.
Hamulus pterygoideus: hakenförmiger, schmaler Fortsatz am unteren Ende der Lamina medialis.
Sulcus hamuli pterygoidei: Furche für die Sehne des M. tensor veli palatini.
Canalis pterygoideus: Gefäß-Nervenkanal in der Basis des Processus pterygoideus.

Sulcus pterygopalatinus: von der vorderen Öffnung des Canalis pterygoideus nach abwärts ziehende Furche, die durch Anlagerung des Oberkiefers und Gaumenbeins zu einem Kanal, Canalis pterygopalatinus, geschlossen wird.

Das Stirnbein, Os frontale (Abb. 145, 146, 150, 151)

Das Stirnbein bildet die knöcherne Grundlage der Stirn und damit den vorderen Abschnitt des Schädelgewölbes. Es besteht aus einem gewölbten vertikalen Teil, der Squama frontalis, und zwei horizontalen Teilen, die als Partes orbitales (Abb. 150, 151) bezeichnet werden, da sie im wesentlichen das Dach der Augenhöhle (Orbita) bilden. Der zwischen den beiden Partes orbitales liegende Teil des Stirnbeins beteiligt sich an der Bildung des Nasenskelettes und heißt deshalb Pars nasalis.

Ansicht des Schädels schräg von vorn

Ansicht des Schädels schräg von der Seite

Das Stirnbein entsteht aus einer paarigen Anlage. Beide Hälften sind im jugendlichen Alter noch durch eine Naht, Sutura frontalis, voneinander getrennt, die beim Erwachsenen in der Regel nicht mehr vorhanden ist.

Dort, wo vertikaler und horizontaler Teil des Stirnbeins Zusammentreffen, an der dicksten Stelle des Knochens, ist in ihm jederseits ein mit Luft erfüllter und mit Schleimhaut ausgekleideter Hohlraum, die Stirnbeinhöhle, Sinus frontalis, enthalten, die in die Nasenhöhle mit der Apertura sinus frontalis mündet und durch eine Scheidewand, Septum sinuum frontalium, geteilt ist. Form und Ausdehnung des Sinus frontalis sind sehr wechselnd. Er kann sich gelegentlich bis an den hinteren Rand der Pars orbitalis erstrecken und so ein doppelwandiges Dach der Orbita schaffen.

I. Squama frontalis.

a) Außenfläche, Facies externa (Abb. 147, 150, 151).

Tuberajrontalia: Stirnhöcker.
Arcus superciliaris: Augenbrauenbogen.
Glabella = Stirnglatze: ebenes Feld zwischen den beiden Arcus superciliares.
Margo supraorbitalis: oberer Rand der Augenhöhle.
Foramen sive Incisura supraorbitalis (Foramen frontale lat.): Einschnitt am Margo supraorbitalis, häufig zu einem Loch vervollständigt.
Incisura sive Foramen frontale: medial von dem vorigen gelegener Einschnitt am Margo supraorbitalis bisweilen Loch.
Processus zygomaticus: Jochfortsatz zur Verbindung des Margo supraorbitalis mit dem Jochbein (Os zygomaticum).

b) Innenfläche, Facies interna (Abb. 164, 165).

Sulcus sinus sagittalis superior: Furche in der Mitte des oberen Abschnittes, durch den Sinus sagittalis bedingt.
Crista frontalis: Leiste im unteren Abschnitt der Squama.
Foramen caecum: kleines Loch hinter dem unteren Ende der Crista frontalis, das einen Fortsatz der harten Hirnhaut (Dura mater) aufnimmt.

II. Partes orbitales (Abb. 150, 151, 164, 165, 166, 168, 169).

Facies orbitalis: glatte, konkave Augenhöhlenfläche.
Fossa glandulae lacrimalis: Vertiefung im lateralen Abschnitt der Facies orbitalis für die Tränendrüse (Glandula lacrimalis).

Linke Orbita, von vorn mit rot eingezeichneten Knochengrenzen

Spina trochlearis: Rauhigkeit oder kleiner Stachel im medialen vorderen Quadranten, an dem sich die Rolle (Trochlea) des oberen schrägen Augenmuskels befestigt.

Foramen ethmoidale anterius und Foramen ethmoidale posterius: zwei kleine Öffnungen für den Durchtritt von Nerven und Blutgefäßen.

Facies cerebralis: Boden der vorderen Schädelgrube mit starken Juga cerebralia.

Incisura ethmoidalis: Einschnitt, der seitlich von den medialen Rändern der Partes orbitales und vorn von der Pars nasalis begrenzt wird. Dieser Einschnitt wird am vollständigen Schädel vom Siebbein (Os ethmoidale) ausgefüllt.

Foveolae ethmoideae: eine Reihe von Gruben an den medialen Rändern der Partes orbitales, die die Deckel für die Sinus ethmoidei bilden.

III. Pars nasalis (Abb. 150, 151).

Spina nasalis: stachelartiger Fortsatz, an den sich die Nasenbeine und teilweise die Stirnfortsätze der Maxillen anlagern.

Das Scheitelbein, Os parietale (Abb. 146)

Die beiden Scheitelbeine bilden den mittleren Teil des Schädelgewölbes und die knöcherne Grundlage für die höchste Erhebung des Schädels, den Scheitel. Das Scheitelbein ist eine in zwei zueinander senkrecht stehenden Ebenen gebogene Knochenplatte, an der sich eine äußere, konvexe Fläche, Facies externa, und eine innere, konkave Fläche, Facies interna, unterscheiden lassen. Die Nachbarknochen des Scheitelbeins sind: Occipitale (hinten), Frontale (vorn), Temporale und Sphenoidale (seitlich).

Äußere Fläche, Facies externa.

Tuber parietale: Scheitelhöcker.

Linea temporalis inferior: ganz schwache, gebogene, von vorn nach hinten verlaufende Leiste, die dem Ursprungsrand des M. temporalis entspricht.

Linea temporalis superior: oberhalb der vorigen und mit ihr gleichlaufende Linie, die durch die Befestigung der Fascia temporalis hervorgerufen wird.

Innere Fläche, Facies interna.

Impressiones gyrorum: Abdrücke der Hirnwindungen.
Juga cerebralia: den Hirnfurchen entsprechende Knochenleisten.
Sulci arteriarum: Gefäßfurchen, die durch die Äste einer Arterie der harten Hirnhaut (A. meningea media) bedingt sind.

Sulcus sagittalis: Fortsetzung der gleichnamigen Furche des Stirnbeins.

Foveolae granulares: zahlreiche Grübchen, die beim Lebenden von Zotten der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea) ausgefüllt werden.

Das Schläfenbein, Os temporale (Abb. 146,152,154,155, 162, 163, 164, 165)

Das Os temporale fügt sich jederseits in den lateralen Ausschnitt des Os basilare (Occipitale + Sphenoidale) ein und beteiligt sich somit am Aufbau der Schädelbasis sowie mit einem besonderen Teil, der Schuppe, Squama, auch an dem der seitlichen Schädelwand.

Os temporale

Frontalschnitt durch die Nasenhöhle

Das Schläfenbein ist in erster Linie ein Sinnes-knochen, da es eine knöcherne Kapsel für zwei Sinnesorgane, das Hör- und das Gleichgewichtsorgan, bildet. Infolgedessen enthält es zahlreiche Hohlräume und Kanäle, die mit diesen Sinnesorganen in Zusammenhang stehen und deswegen erst bei diesen (s. Bd. III) erwähnt werden sollen. Auf diese Weise ist das Schläfenbein der am kompliziertesten gebaute Schädelknochen.

Man kann an ihm 4 Teile unterscheiden: 1. Pars petrosa, 2. Pars hyoidea, 2. Pars tympanica, 4. Pars squamosa (vd. Abb. 134).

Linkes Schläfenbein, Außenansicht.

I. Pars petrosa.

Die Pars petrosa hat ihren Namen daher, daß sie stellenweise hart wie ein Felsen (petrus = Fels) ist. Man kann an ihr eine vordere (Facies anterior), hintere (Facies posterior) und eine untere Fläche (Facies inferior) unterscheiden sowie eine Spitze, Apex partis petrosae.

Facies (anterior) cerebralis.

Impressio trigemini: flache Eindellung in der Nähe der Apex, bedingt durch den N. trigeminus und sein Ganglion semilunare.

Hiatus canalis facialis: kleine, spaltförmige Öffnung, die zu dem im Innern gelegenen Facialiskanal führt und durch die der N. petrosus major austritt.

Eminentia arcuata: rundliche Vorwölbung, die durch den oberen Bogengang hervorgerufen wird.

Tegmen tympani: dünne Knochenplatte als Dach der Paukenhöhle (Cavum tympani).

Facies (posterior) cerebellaris.

Porus acusticus internus: Öffnung des inneren Gehörganges, Meatus acusticus internus (Abb. 152 B).

Fossa subarcuata: Spalte, lateral vom Porus acusticus in der Nähe der oberen Kante.

Facies inferior (Abb. 153).

Os temporale, Ansicht von unten
Foramen stylomastoideum: äußere Öffnung des Canalis facialis zwischen Proc. styloideus und mastoideus.
Fossa jugularis: medial vom vorigen gelegene Grube.
Apertura externa canalis carotici: äußere Öffnung des Canalis caroticus, durch den die A. carotis interna in die Schädelhöhle gelangt.
Fossula petrosa: flache, kleine Grube zwischen Fossa jugularis und Apertura ext. canalis carotici.
Margo superior: scharfe, obere Kante des Felsenbein, Grenze zwischen mittlerer und hinterer Schädelgrube (s. Abb. 164).
Sulcus sinus petrosi superioris: Furche für den Sinus petrosus superior.
Sulcus sinus petrosi inferioris: Furche für den Sinus petrosus inferior.
Apertura interna canalis carotici: innere Öffnung des Carotiskanals an der Spitze der Pars petrosa.
Canalis musculotubarius: Kanal, der von der Paukenhöhle zur Spitze des Felsenbeins zieht und die Tuba auditiva und den M. tensor tympani enthält.

Processus mastoideus

Der Warzenfortsatz, Processus mastoideus ), fehlt beim Neugeborenen noch völlig und beginnt sich erst mit dem Aufrichten des Kopfes unter der Zugwirkung des M. sternocleidomastoideus im 1. — 2. Lebensjahr zu bilden. Der Warzenfortsatz ist beim Lebenden in ganzer Ausdehnung hinter der Ohrmuschel abzutasten. Er ist in der Regel pneumatisiert, d. h. enthält eine ganze Anzahl kleiner Hohlräume, die mit Luft erfüllt und mit Schleimhaut ausgekleidet sind.

Incisura mastoidea: tiefer Einschnitt an der medialen Fläche des Proc. mastoideus. Ursprungsstelle des M. digastricus [biventer mandibulae] (Abb. 153).

Sulcus arteriae occipitalis: medial von der Incisura liegende, durch die A. occipitalis bedingte Knochenfurche.

Foramen mastoideum: Öffnung von sehr wechselnder Größe am hinteren Rand des Proc. mastoideus, durch die eine Vene, Vena emissaria mastoidea, hindurchzieht (Abb. 165).

Sulcus sinus sigmoidei: breite Furche an der Innenseite des Proc. mastoideus für den gleichnamigen Sinus der harten Hirnhaut (Abb. 164, 165).

Cellulae mastoideae: Hohlräume im Warzenfortsatz.

Antrum mastoideum: Übergangsraum von der Paukenhöhle zu den Cellulae mastoideae.

II. Pars hyoidea (Abb. 152)

Die Pars hyoidea liegt an der Unterfläche der Pars petrosa und wird als Zungenbeinteil bezeichnet, weil sie mit dem Zungenbein immer ligamentös, bisweilen sogar knöchern verbunden ist.

Sie besteht aus dem Processus styloideus, dem Griffelfortsatz, der sehr verschieden lang sein kann und dessen Spitze sich in das Lig. stylohyoideum fortsetzt, das zum kleinen Horn des Zungenbeins zieht und in seltenen Fällen ganz verknöchert sein kann. Außerdem gehört zu diesem Teil des Schläfenbeins noch die Vagina (Semivagina) processus styloidei, eine Art Knochenmanschette, die den basalen Teil des Proc. styloideus mehr oder minder vollständig umfaßt.

III. Pars tympanica (Abb. 152, 153)

Dieser Teil des Schläfenbeins wird wegen seiner Beziehungen zum Trommelfell (Membrana tympani) Pars tympanica genannt. Beim Neugeborenen wird er nur durch einen oben nicht ganz geschlossenen Ring, Anulus tympanicus, dargestellt, in dem das Trommelfell ausgespannt ist. Dieser Anulus tympanicus wächst dann zu einer Röhre aus, dem äußeren Gehörgang, Meatus acusticus externus. Die Pars tympanica des fertigen Schläfenbeins bildet so den Boden und die Seitenwände des Meatus acusticus externus, während sein Dach von der Pars squamosa gebildet wird.

Zwischen Pars tympanica und squamosa schiebt sich eine schmale, vom Tegmen tympani der Pars petrosa ausgehende Knochenleiste, die Crista tegmentalis. So entstehen zwei Spalten: Fissura petrotympanica (= Glassersche Spalte) und Fissura petrosquamosa. Erstere ist weiter und wichtiger, da durch sie ein Nerv, die Chorda tympani, hindurchzieht.

IV.  Pars squamosa (Abb. 152)

Die Pars squamosa besteht hauptsächlich aus der Schläfenbeinschuppe, Squama temporalis, einer vertikalen Knochenplatte, die zusammen mit dem Keilbein und dem Scheitelbein die knöcherne Grundlage der Schläfengrube, Fossa temporalis, an der Seitenwand des Schädels bildet. An der Squama temporalis sind eine Innenfläche, Facies cerebralis, und eine Außenfläche, Facies temporalis, zu unterscheiden.

Processus zygomaticus: nach vorn ziehender Fortsatz, der sich mit dem Jochbein verbindet und zusammen mit dem Proc. temporalis dieses Knochens den Jochbogen, Arcus zygomaticus, bildet.

Tuberculum articulare: unten an der Wurzel des Proc. zygomaticus gelegener Gelenkhöcker für das Kiefergelenk.
Fossa mandibularis: Gelenkpfanne des Kiefergelenkes mit Facies articularis.
 
Das Siebbein, Os ethmoidale (Abb. 154, 155)

Dieser Knochen heißt Siebbein, weil er dort, wo er sich in geringem Umfange an der Bildung der Schädelbasis beteiligt, siebartig durchlöchert ist. Nimmt man ein isoliertes Siebbein in die Hand, so ist man überrascht durch seine Leichtigkeit. Diese Unstimmigkeit zwischen Gewicht und Größe rührt daher, daß dieser Knochen zahlreiche lufterfüllte Hohlräume enthält. Das Siebbein besteht aus einer medianen, senkrechten Platte (Lamina perpendicularis) und zwei Seitenteilen, Partes laterales, die oben durch eine horizontale Platte miteinander verbunden sind.

Das Siebbein enthält in seinen Partes laterales eine ganze Anzahl von kleinen Hohlräumen, Cellulae [Sinus] ethmoidales, die zu den Nebenhöhlen der Nase gehören und in die Nasenhöhle ausmünden.

I. Lamina perpendicularis [mediana]: eine senkrecht stehende unpaare, dünne Knochenplatte, die den oberen Abschnitt der Nasenscheidewand bildet.

Crista galli: hahnenkammartiger Vorsprung des oberen Randes der Lamina perpendicularis in die Schädelhöhle. Lamina cribrosa: schmale Knochenplatte zu beiden

Seiten der Crista galli, die wie ein Sieb von zahlreichen Löchern durchsetzt ist (s. Schädelbasis).

II. Partes laterales = Labyrinthus ethmoidalis

Lamina orbitalis [papyracea]: glatte, papierdünne Platte, die die laterale Begrenzung des Siebbeinlabyrinthes bilden hilft und sich zugleich an dem Aufbau der medialen Wand der Orbita beteiligt.

Processus uncinatus: schmaler, hakenförmiger Fortsatz, der nach hinten zieht, sich vor den Hiatus [sinus] maxillaris legt und diesen verschließen hilft.

Concha nasalis superior: obere Nasenmuschel, an der medialen Fläche des Siebbeinlabyrinthes gelegen. Concha nasalis media: mittlere Nasenmuschel.

Meatus nasi superior: oberer Nasengang, zwischen oberer und mittlerer Muschel.

Meatus nasi medius: mittlerer Nasengang, zwischen mittlerer und unterer Muschel.

Bulla ethmoidalis: eine durch ihre Größe ausgezeichnete Siebbeinzelle, die der hinteren Kante des Proc. uncinatus gegenüberliegt.
Infundibulum ethmoidale: trichterförmiger Gang zwischen Proc. uncinatus und Bulla ethmoidalis, der vom vorderen Teil des mittleren Nasenganges zur Oberkieferhöhle führt.
Hiatus ethmoidalis [semilunaris] halbmondförmiger Spalt im mittleren Nasengang als Mündung des Infundibulum ethmoidale in die Nasenhöhle.

Die untere Nasenmuschel, Concha nasalis inferior (Abb. 154, 155, 167)

Die untere Nasenmuschel ist ein schalen- oder muschelförmiger Knochen, der an der lateralen Wand der Nasenhöhle liegt. Sie erstreckt sich von der Apertura piriformis bis zur Choana und besitzt drei kleine Fortsätze. Mit dem vom oberen Band senkrecht herabragenden Proc. maxillaris legt sie sich vor die weite Öffnung des Sinus maxillaris. Mit einem zweiten Fortsatz, Proc. ethmoidalis, der sich an den Proc. uncinatus des Siebbeins anlagert, beteiligt sich die untere Muschel nochmals an der Einengung des Hiatus [sinus] maxillaris. Ein dritter Fortsatz, Proc. lacrimalis, zieht zum Tränenbein aufwärts und bildet mit diesem zusammen die mediale Wand des Tränennasenkanals.

Das Nasenbein, Os nasale (Abb. 145, 166)

Die beiden Nasenbeine bilden die knöcherne Grundlage für den Nasenrücken. Das Os nasale ist ein kleiner viereckiger Knochen. Sein oberer Rand steht mit dem Stirnbein, sein lateraler Rand mit dem Proc. frontalis maxillae in Verbindung. Der untere Rand beteiligt sich an der Umrandung der Apertura piriformis. Die der Nasenhöhle zugekehrte Fläche hat eine kleine Furche, Sulcus ethmoidalis, für einen Ast des N. ethmoidalis anterior.

Das Tränenbein, Os lacrimale (Abb. 166, 168, 169)

Dieser Knochen ist nach seinen Beziehungen zum Tränenapparat des Auges benannt. Er liegt vorn an der medialen Wand der Augenhöhle zwischen der Papierplatte des Siebbeins und dem Processus frontalis des Oberkiefers. An seiner orbitalen Fläche ist eine senkrechte Längsfurche, Sulcus 

lacrimalis, vorhanden, die zusammen mit der gleichnamigen Furche des Proc. frontalis maxillae eine Grube, Fossa sacci lacrimalis, für den Tränensack bildet. Diese Tränensackgrube wird nach hinten durch eine scharfe Leiste, Crista lacrimalis posterior, begrenzt. Die innere Fläche des Tränenbeins deckt, ebenso wie die Papierplatte des Siebbeins, vordere Siebbeinzellen zu.

Das Pflugscharbein, Vomer (Abb. 162)

Dieser Knochen ist nach seiner Ähnlichkeit mit einer Pflugschar benannt. Er stellt eine dünne Knochenplatte dar, die zusammen mit der Lamina perpendicularis des Siebbeins die knöcherne Nasenscheidewand bildet. Oben weicht die senkrechte Knochenplatte in zwei Flügel auseinander, die Alae vomeris, die sich der Unterfläche des Keilbeinkörpers anlegen. Der hintere, freie Rand dieses Knochens trennt die beiden hinteren Nasenöffnungen, Choanae, voneinander.

Das Joch- oder Wangenbein, Os zygomaticum (Abb. 145, 146, 162, 168, 169)

Dieser Knochen hat seinen Namen daher, daß er ein Joch oder eine Brücke zwischen dem Gesichtsschädel und der seitlichen Schädelwand sowie die knöcherne Grundlage der Wange bildet.

Das Jochbein ist ein ungefähr viereckiger Knochen mit zwei Fortsätzen, die nach den Knochen benannt sind, mit denen sie in Verbindung stehen: Processus temporalis und frontalis.

Das Jochbein hat eine Wangenfläche, Facies malaris, sowie eine Facies orbitalis und temporalis. Es wird von einem Kanal, Canalis zygomaticus, durchsetzt, der in der Augenhöhle mit dem Foramen zygomaticoorbitale beginnt und sich im Innern des Knochens in zwei Kanäle spaltet, von denen der eine auf der Wangenfläche (Foramen zygomaticofaciale), der andere auf der Schläfenfläche {Foramen zygomaticotemporale) mündet.

Das Gaumenbein, Os palatinum (Abb. 162, 163, 168, 169)

Das Gaumenbein bildet den hinteren Abschnitt des knöchernen Gaumens und teilweise die laterale Wand der Nasenhöhle. Es besteht aus einer waagerechten und einer senkrechten Platte.

Die waagerechte Platte, Lamina horizontalis [palatina], hat einen freien hinteren Rand, an dem sich das Gaumensegel anheftet. Der vordere Rand grenzt an den Gaumenfortsatz des Oberkiefers. Die der Nasenhöhle zugekehrten Flächen, Facies nasales, beider Gaumenbeine bilden an ihrer Vereinigungsstelle die Crista nasalis, die sich nach hinten in die kurze, stumpfe Spina nasalis [posterior] fortsetzt, an ihren Gaumenflächen, Facies palatinae, die Crista palatina.

Die senkrechte Platte, Lamina perpendicularis [maxillaris], ist sehr dünn und lagert sich der medialen Fläche des Proc. pterygoideus des Keilbeins sowie dem Körper des Oberkiefers an. An ihr unterscheidet man eine Facies nasalis und maxillaris. Facies nasalis:
Crista conchalis: Leiste zur Anlagerung der unteren Muschel. Facies maxillaris:
Sulcus pterygopalatinus: Furche, die zusammen mit der gleichnamigen Furche des Proc. pterygoideus des Keilbeins den Canalis pterygopalatinus bildet.
Processus pyramidalis: Fortsatz an der hinteren lateralen Ecke der Lamina horizontalis, der die Incisura pterygoidea am Keilbein ausfüllt (Abb. 167).
Foramen palatinum majus: untere Mündung des Canalis pterygopalatinus.
Foramina palatina minora: 2 — 3 Mündungen von Kanälchen, Canales palatini, die sich vom Canalis pterygopalatinus abzweigen.
Processus orbitalis: vorderer oberer Fortsatz der Lamina perpendicularis, oft hohl (Sinus ethmoidalis!), der den hinteren medialen Winkel des Augenhöhlenbodens bildet (Abb. 167). Processus sphenoidalis: hinterer oberer Fortsatz der Lamina, der sich an den Keilbeinkörper und die Basis der medialen Platte des Proc. pterygoideus anlegt.
Incisura sphenopalatina:    Einschnitt zwischen den beiden oberen Fortsätzen der Lamina perpendicularis, der durch den Keilbeinkörper zu einer Öffnung, Foramen sphenopalatinum, geschlossen wird.

Der Oberkiefer, Maxilla (Abb. 145, 156, 167)

Die beiden Maxillen bilden die knöcherne Grundlage für das Obergesicht und bestimmen durch ihre Form, Größe und Stellung im wesentlichen die Form des ganzen Gesichtes. Sie beteiligen sich an der Wandbildung der Augen- und Nasenhöhle sowie am Aufbau des Gaumens. Sie tragen die obere Zahnreihe und übertragen mit einem Stirn-und einem Joc bogenpfeiler den Kaudruck auf den Hirnschädel.

Rechter Oberkiefer, Maxilla

An ieder Maxilla kann man einen gedrungenen, kompakten Teil den Körper, und von ihm ausgehende Fortsätze (Proc. frontalis, zygomaticus, palatinus und alveolaris) unterscheiden.

Der Körper, Corpus maxillae, enthält die größte Nebenhöhle der Nase, den Sinus maxillaris (früher Antrum Highmori), der an der isolierten und macerierten Maxilla an seiner Nasenfläche eine weite Öffnung, Hiatus [sinus] maxillaris, besitzt. Durch Anlagerung benachbarter Knochen wird diese VerbindungsÖffnung" mit der Nasenhöhle wesentlich eingeengt (s. Nasenhöhle).

I. Corpus

Facies anterior, vordere Fläche (Abb. 156)
Margo infraorbitalis: oberer Rand der vorderen riacne.
Foramen infraorbitale:    Öffnung unterhalb des oberen
Randes, äußeres Ende des Canalis infraorbitalis.
Fossa canina: flache Grube unterhalb des Foramen infraorbitale, nach dem Eckzahn, Dens caninus, benannt.
Facies infratemporalis, hintere Fläche
Tuber maxillae: höckerartige Vorwölbung der hinteren Fläche mit kleinen Löchern, Foramina alveolaria, fur den Durchtritt von Zahnnerven und -gefäßen.
Facies orbitalis, obere Fläche
bildet teilweise den Boden der Augenhöhle, Orbita.
Sulcus infraorbitalis: Furche, die am hinteren Rand beginnt, nach vorne zieht und allmählich in den Canalis infraorbitali süber geht.
Facies nasalis, innere Fläche (Abb. 156)
bildet zum Teil die seitliche Wand der Nasenhöhle.
Hiatus [sinus] maxillaris: unregelmäßig viereckige Öffnung der Kieferhöhle, Sinus maxillaris.
Crista conchalis: Leiste zur Anlagerung der unteren Nasenmuschel.

II. Processus frontalis, Stirnfortsatz

Crista lacrimalis anterior: scharfe Kante als vordere Begrenzung der Tränensackgrube,Fossa sacci lacrimalis.

Sulcus lacrimalis: Tränenfurche, deren unterer Teil durch Anlagerung des Tränenbeins und der unteren Muschel zum Tränennasenkanal, Canalis nasolacrimalis, geschlossen wird.

III. Processus zygomaticus, Jochfortsatz

verbindet sich mit dem Jochbein, Os zygomalicum.

IV. Processus alveolaris, Zahnfortsatz

Arcus alveolaris: freier Randbogen des Proc. alveolaris.
Alveoli dentales: Zahnfächer für die Wurzeln der Zähne.
Septa interalveolaria: Knochenscheidewände zwischen den Alveolen.
Septa interradicularia [intraalveolaria]: Wurzelscheidewände.
Juga alveolaria: Erhabenheiten an der Außenfläche des Zahnfortsatzes, durch die Zahnwurzeln hervorgerufen.

V.  Processus palatinus, Gaumenfortsatz
bildet zusammen mit dem der anderen Seite drei Viertel des knöchernen Gaumens.
Sutura palatina mediana: Naht zwischen den Gaumenfortsätzen beider Maxillen.
Crista nasalis: leistenförmige Erhebung des medialen Randes des Gaumenfortsatzes, die sich nach vorne als Spina nasalis anterior fortsetzt.

Foramen incisivum: Mündung des Canalis incisivus, der die Nasen- mit der Mundhöhle verbindet.
Der die oberen Schneidezähne (Dentes incisivi) tragende Teil der beiden Oberkiefer heißt Os incisivum (intermaxillare). Er ist beim Neugeborenen und in den ersten Lebensjahren jederseits durch eine Naht, Sutura incisiva, von den beiden Maxillen getrennt, und wurde beim Menschen von J. W. Von Goethe entdeckt.

Der Unterkiefer, Mandibula (Abb. 145,157)

Der Unterkiefer ist ein symmetrisch gebauter Knochen, der aus einer rechten und linken Hälfte besteht, die, ursprünglich getrennt angelegt, später zu einem einheitlichen Knochen miteinander verschmelzen. Er ist eine ungefähr parabolisch gekrümmte Knochenplatte, Corpus mandibulae, deren hintere Enden zu den Unterkieferästen, Rami mandibulae, aufgebogen sind. Der Unterkiefer ist der größte Gesichtsknochen und trägt die untere Zahnreihe. Die Zähne stecken mit ihren Vurzeln in den Zahnfächern, Alveoli dentales, oberen Rande des Corpus mandibulae, weshalb dieser Teil des Unterkiefers Pars alveolaris heißt.

Rechter Unterkiefer

Fehlen im Greisenalter alle Zähne, so schwindet auch die Pars alveolaris völlig, und der Körper des Unterkiefers wird dadurch schmal und niedrig. Dies ist wieder ein Beispiel für die allgemeine Regel: Wenn ein Knochenteil funktionell nicht beansprucht wird, geht er zugrunde.

Körper und Ast des Unterkiefers bilden einen Winkel, den Astwinkel, der je nach der Stärke des ganzen Kauapparates zwischen 90 — 140 Grad schwanken kann.

Funktionelle Konstruktion des Unterkiefers: Als Grundlage des Unterkiefers dient der Basalbogen, der die Basis mandibulae, den mittleren Teil des Astes und den Processus condylaris [articularis] umfaßt (siehe Abb. 135). Im Bereich des Körpers setzt sich infolge der funktionellen Beanspruchung durch die Zähne bzw. den Kaudruck die Pars alveolaris auf. Am Ast ist durch den Zug des M. temporalis der Processus coronoideus [muscularis] und durch den Ansatz des M. masseter und pterygoideus medialis der Angulus mandibulae funktionell bedingt.

Funktioneller Bau des Unterkiefers.

I. Corpus

Außenfläche:

Protuberantia mentalis [Trigonum mentale]:Kinndreieck, dessen Basis dem unteren Rande des Corpus entspricht.

Tuberculum mentale: kleiner Höcker jederseits, dem unteren Winkel des Trigonum entsprechend.

Foramen mentale: Öffnung in Höhe des 1.— 2. Backenzahnes, Austrittsstelle der Kinnerven und -gefäße aus dem Canalis mandibulae.

Linea obliqua: schräg verlaufende leichte Erhebung.

Innenfläche:

Fossa digastrica [m. biventeris]: Ansatzstelle des M. digastricus [biventer mandibulae].
Fovea sublingualis: von der Glandula sublingualis, der Unterzungendrüse, hervorgerufene Impressio.
Fovea submandibularis: seichte, durch Anlagerung der Glandula submandibularis bedingte Vertiefung.
Spina m. geniohyoidei, Spina m. genioglossi: kleine Knochenzacken jederseits, durch den Ursprung dieser beiden Muskeln hervorgerufen (auch Spinae mentales genannt).
Linea mylohyoidea: schräg auf steigende Leiste, die durch den M. mylohyoideus bedingt ist. Diese Linie bezeichnet die untere Grenze der Mundhöhle.
Pars alveolaris:
Arcus alveolaris: Alveolarbogen.
Alveoli dentales: Zahnfächer.
Septa interalveolaria: Scheidewände zwischen den Alveolen.
Septa interradicularia: Scheidewände innerhalb einer
Alveole zwischen den Zahnwurzeln.
Juga alveolaria: durch die Zahnwurzeln bedingte Erhebungen an der Pars alveolaris.

II. Raums

Angulus mandibulae, Kieferwinkel: Übergang des unteren Randes des Körpers in den hinteren Rand des Astes.
Tuberositates massetericae: Rauhigkeiten an der Außenseite des Angulus, durch den Ansatz des M. masseter hervorgerufen.
Tuberositas pterygoidea: durch den Ansatz des M.
pterygoideus medialis hervorgerufene Rauhigkeit an der Innenseite des Angulus mandibulae.
Processus condylaris [articularis]: Gelenkfortsatz.
Processus coronoideus [muscularis]: verknöcherte Ansatzsehne des M. temporalis.
Incisura mandibulae: rundlicher Einschnitt zwischen den beiden Astfortsätzen.
Foramen mandibulae: Öffnung an der Innenseite des Ramus. Beginn des Canalis mandibulae.
 
Canalis mandibulae: Gefäß- und Nervenkanal im Ramus und Corpus mandibulae.
Lingula: kleine Knochenzacke am Foramen mandibulae, durch den Ansatz des Lig. sphenomandibulare bedingt.
Sulcus mylohyoideus: am Foramen mandibulae beginnende und schräg nach abwärts verlaufende Furche für die Arteria mylohyoidea und den N. mylohyoideus (Bd. III).
Caput [Capitulum] mandibulae: Kieferköpfchen, Gelenkkopf des Kiefergelenkes.
Collum mandibulae: verjüngter Teil des Proc. condyularis unterhalb des Caput.
Fovea pterygoidea: Grube unterhalb des Caput, Ansatzstelle des M. pterygoideus lateralis.

Das Zungenbein, Os hyoideum (Abb. 168, 169, 171, 172)

Das Zungenbein ist ein kleiner, unpaarer Knochen von spangenförmiger Gestalt, der sich dadurch von allen anderen Knochen unseres Körpers unterscheidet, daß er mit keinem Nachbarknochen gelenkig oder fest verbunden, sondern frei zwischen zahlreichen Muskeln aufgehängt ist. Es befindet sich am Halse an der Stelle, wo die Vorderfläche des Halses in den Boden der Mundhöhle umbiegt (oberhalb des Schildknorpels!) und ist dort durch die Haut zu tasten.

Die Muskeln des Halses, von vorn I

Die Muskeln des Halses, von vorn II

Das Zungenbein besteht aus einem Körper, Corpus, und beiderseits je zwei Fortsätzen, die ihrer besonderen Form wegen Hörner, Cornua, genannt werden: das große Zungenbeinhorn, Cornu majus, das dorsokranialwärts gerichtet ist, und das kleine Zungenbeinhorn, Cornu minus, das oft knorpelig angelegt bleibt und mehr kranialwärts steht. Mit den Proc. styloidei der Schläfenbeine steht es beiderseits durch die Ligg. stylohyoidea in Verbindung.

Категорія: Einführung in die Anatomie, Bewegungsapparat |
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